Medellin und Toucan Language School

10.08.2016 – 20.08.2016

Der bereits im Kapitel zuvor erwähnte Flug dauerte nur gefühlte 15 Minuten und war angenehmer als erwartet. Ganz entspannt kam ich am Flughafen von Medellin an und merkte leider erst dann, dass die Stadt zwei Flughäfen hat. Einer liegt im Zentrum, der andere gute 45 Minuten Autofahrt im östlichen Hinterland, blöd gelaufen. Bei der Gepäckaufnahme kam ich mit einer Australierin ins Gespräch und wir entschieden uns, das Taxi nach Medellin zu teilen. Da wir jedoch in unterschiedlichen Hostels reserviert hatten, machten wir erst an meiner Unterkunft Halt. Schon beim Einchecken verstand ich mich super mit den Angestellten des „Arcadia Hostels“ in „El Poblado“ und auch mein 4er Zimmer mit sehr großem, sauberen Bad überraschte mich positiv. Hundemüde von den vergangenen Tagen fiel ich ins Bett und wachte erst am nächsten Morgen wieder auf. 🙂

Mein Highlight der folgenden Tage war neben den ausgelassenen Parties im Viertel „El Poblado“ definitiv der Ausflug mit Clemens, Sebastian, Olly und Will. Clemens und Sebastian sind zwei deutsche Jungs und reisen ebenfalls wie die Briten Olly und Will durch Kolumbien. Wir haben uns im Hostel kennengelernt und sofort sehr gut verstanden. Ausschließliches Gesprächsthema: Fußball.
Am Vormittag ging es mit der Metro zur Station „Acevedo“ um von dort aus mit dem Cable Car über die Favela in Richtung „Arvi“ zu fahren. Zu unserer Verwunderung stoppte die Seilbahn nicht als wir den Berg hinauf gefahren waren sondern schwebte in aller Ruhe über die riesigen Bäume in den östlich gelegenen Wäldern von Medellin. Erst nach gefühlten 20 Minuten drehte es um und beförderte uns zurück in die Stadt. Die sehr günstige Metro nutzten wir auch, um zum Stadion der kolumbianischen Fußballmannschaft „Independiente Medellin“ zu kommen.
Wir schauten uns für gerade mal 15.000 Pesos (5 Euro) ein Erstligaspiel gegen „Patriotas“ an. Das Duell endete 3:0 für die Heimmannschaft und das Niveau des Spiels glich eher einem Spiel unserer deutschen Landesliga. Die Fans der Heimmannschaft machten dem Fußball jedoch alle Ehre und sangen das komplette Spiel durch. Schön zu sehen, wie diese Menschen den Fußball lebten! 🙂

 

 

Am Sonntag, den 14.08.2016 verließ ich mein Hostel und zog zu Luz, einer älteren Dame die für die nächsten Tag meine Hostmum wurde. Die super sympathische und hilfsbereite Omi freute sich über meinen Besuch und fieberte mit mir den kommenden vier Tage in der Sprachschule entgegen. In den Tagen zuvor hatte ich mich bei diversen Sprachschulen in Medellin informiert und mich letztendlich für die „Toucan Spanish School“ entschieden. Die sehr schönen Räumlichkeiten liegen im Herzen von „El Poblado“, das Touristen- und Ausgehviertel der Stadt Medellin.

Da der Montag ein Feiertag war, startete die Schule erst am Dienstag und ich nutzte die freie Zeit nach dem Frühstück, um zum „Cerro Nutibara“ zu fahren. Dieser Hügel liegt im Zentrum und bietet einen 360 Grad Blick auf die Stadt. An diesem Tag versammelten sich zahlreiche Familien auf dem Hügel, die unzählige Drachen in die Luft steigen ließen. Wie ich später erfuhr gibt es in Kolumbien jedes Jahr ein Drachenfestival („Festival de las Cometas“), bei dem Jung und Alt ihre tollen bunten mit Kreativität entstandenen Drachen in die Luft steigen lassen.

 

 

An den folgenden vier Tagen verbrachte ich jeweils zwei Stunden in der Sprachschule und den Rest des Tages im Sportstudio oder Zuhause. Ich freute mich endlich mal wieder Sport zu machen und das ganze tolle kolumbianische Essen weg zu trainieren. Außerdem war es mal an der Zeit mit meiner Familie zu skypen und noch ausstehende Antworten in den sozialen Netzwerken zu verschicken. Da die Hausaufgaben für die Schule auch gemacht werden wollten, füllten sich meine Tage und plötzlich war es schon Samstag, der 20.08.2016 und somit Abreisetag.

Ich habe die Zeit in Medellin im Hostel und in der Sprachschule mit Unterkunft bei Luz sehr genossen. Das „Arcadia Hostel“ kann ich jedem Backpacker empfehlen und auch der Stadtteil „El Poblado“ bietet sehr viele Möglichkeiten zum Entdecken und Ausgehen. Gerne wäre ich länger in der interessanten Stadt Medellin geblieben und hätte mir weitere touristische Attraktionen angesehen.

 

 

Da meine Maschine nach Bogotá unglücklicherweise wieder vom 45 Minuten entfernten Flughafen „José María Córdova“ startete, rief ich über die App einen Uber, der mich dann zum Airport bringen sollte. Dummerweise verschätzte ich mich jedoch mit der Zeit und der Entfernung und prompt standen wir auch noch im Stau. Das Dilemma war perfekt. Ich hatte jegliche Hoffnung verloren heute an Bord dieser Maschine von „Viva Colombia“ zu sitzen. Auch, dass ich bereits eingecheckt hatte und meinen Boarding Pass in den Händen hielt, gab mir nicht die Garantie meinen großen Backpack noch als „Checked Bag“ abgeben zu können. Der äußerst rasante Fahrstil meiner Fahrerin führte schließlich dazu, dass ich genau drei Minuten nach Deadline am Schalter von „Viva Colombia“ stand. „We are closed.“ sagte eine Angestellte. „We are in Colombia, come on, please!“ antwortete ich ihr. Grundsätzlich bin ich mir zu hundert Prozent sicher, dass dieses künstliche „Ich halte mich jetzt an die Regel.“ totale Willkür der völlig unfreundlichen Dame war. Nicht vergessen, wir sind in Kolumbien und da spielen drei Minuten normalerweise wirklich keine Rolle. Die Dame verwies mich auf das Office der Fluggesellschaft, wohin ich dann sofort rannte. Auch ihre dort sitzende Kollegin wollte mein großes Gepäckstück nicht mehr annehmen und verwies mich auf einen Flug am nächsten Tag. Wenn dieser nicht von „Avianca Airlines“ durchgeführt werden würde und ich nicht den Preis von rund 90 Euro hätte komplett selber tragen müssen, wäre das ja auch eine Alternative gewesen. So allerdings nicht.
Mir blieb somit noch eine letzte Chance. Ich machte mich auf den Weg zur Sicherheitskontrolle und legte mit großer Selbstverständlichkeit den Backpack auf das Laufband. Danach folgte der Daypack.
Mein Backpack wäre eigentlich aus drei Gründen nicht als Handgepäck zugelassen: Erstens: Er ist viel zu groß.
Zweites: Er ist viel zu schwer.
Drittens: Mein Kulturbeutel (mit Nagelschere) sowie die Wasserflasche im Rucksack sind normalerweise jeder Sicherheitskontrolle ein Dorn im Auge.
Wie durch ein Wunder durchliefen beide Rucksäcke den Computer ohne dass auffällige Signale seitens der Kontrolleure kamen. Kurz bevor ich meinen Daypack aufnahm und dann startklar in Richtung Gate gehen wollte, hörte ich eine Stimme: „Excuse me Sir, do you want to tell us anything?“ Ich antwortete natürlich mit „No.“ und dennoch bat mich die Dame zu einem separaten Tisch. Nachdem sie um Erlaubnis für das Öffnen des Rucksacks fragte, zielte sie gezielt auf ein völlig unscheinbares Fach. Und da fiel es mir wieder ein. Mein Taschenmesser der Marke „Victorinox“. Das ist wohl jetzt Geschichte. Die Angestellte holte das rote Taschenmesser heraus und sagte dreist: „Thank you for the nice knife!“.
Sie ließ mein wertvolles Messer in ihrer Brusttasche verschwinden und die anwesenden Kolleginnen kicherten vor sich hin.
Mein Gesicht hättet Ihr sehen müssen. Natürlich ist es richtig und auch zwingend notwendig ein Messer in der Sicherheitskontrolle am Flughafen abzunehmen, das steht außer Frage. Mit welcher Selbstverständlichkeit diese Hexe sich das Messer jedoch in die eigene Tasche gesteckt hat, ist eine komplett andere Geschichte.
Auf der einen Seite bin ich froh, dass mir wenigstens das Messer abgenommen wurde. Ich erinnere dabei gerne noch einmal an meinen Kulturbeutel (mit Nagelschere) und meine volle Wasserflasche.
Auf der anderen Seite ist es für mich als deutschen Staatsbürger jedoch absolut nicht nachvollziehbar, dass Angestellte der Sicherheitskontrolle Fundstücke in den eigenen privaten Haushalt mitgehen lassen dürfen und vermutlich dem Sohn ein tolles, teures Weihnachtsgeschenk aus der Schweiz machen. Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht, oder wie heißt es so schön? Wie auch immer, irgendwie musste ich wohl für meine eigene Schusseligkeit bestraft werden. 😀
Recht amüsant war später noch der Moment als ich mit meinen beiden Rucksäcken das Flugzeug betrat. Ohnehin war ich der einzige blonde Mensch in diesem Flugzeug. Dann noch mit zwei großen Rucksäcken und die hundertprozentige Aufmerksamkeit galt mir. Der Flug war recht ruckelig. Mal ging es stark hinauf, mal ging es stark herab. Dann die sichere Landung in der Hauptstadt und auf einmal klappte es mit der Atmung auch viel besser.

Welche Erlebnisse ich in der kolumbianischen Metropole in den folgenden Tagen hatte und wie es dann mit der Reiseroute weiter ging, erfahrt Ihr im nächsten Kapitel.

Genießt den Sommer!

Euer Robin 🙂

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