León und Granada

08.07.2016 – 13.07.2016

Da das Land Nicaragua eigentlich nie auf meiner Reiseroute stand, flog ich mit gemischten Gefühlen nach Managua. Für alle anderen Länder hatte ich mich Zuhause halbwegs vorbereitet und wusste, welche Städte ich besuchen möchte und welche Zeit ich dafür circa einplanen sollte.
Nun musste ich mich aber voll auf die Empfehlungen meiner guatemaltekischen Freunde und die der auf meiner bisherigen Reise kennengelernten Backpacker verlassen.

Eine Propellermaschine von Avianca Airlines brachte mich somit von Guatemala City nach Managua. Der angenehme Flug dauerte circa 90 Minuten. Beim Betreten des nicaraguanischen Bodens merkte ich sofort, dass hier ein etwas anderes Klima herrscht.


Bereits nach 3 Minuten wäre ich lieber in einen Pool gesprungen, als mit dem Immigration Personal eine Diskussion über meine Einreise zu führen. Die Diskussion gewann ich natürlich (auch ohne vorab gebuchte Unterkunft und ohne Rückflugticket). 😉

Mein Ziel für heute: die Kolonialstadt León im Norden, circa zwei Autostunden von Managua entfernt. Im Internet hatte ich mich am Tag zuvor bezüglich des Weges nach León schlau gemacht.
Die Beschreibung klingt eigentlich ganz einfach, hier mal ein Ausschnitt aus einem Backpacker-Forum:

„After making your way through Managua Airport Customs head toward the exit and you will encounter drivers from two different companies one in yellow shirts and the other in blue, the guys in blue are cheaper and will start at $15 and you can get them closer to $10.
Tell them where you want to go in Spanish: „Enfrente de UCA, Estación de Autobus a León“
You are looking for the bus station across the road from the large UCA, University de Centroamerica. They might tell you they can take you all the way from Managua to León for just as cheap and faster, but they want $30 US per person and it can’t be much faster.“

Nun hieß es, die Theorie in die Praxis umzusetzen. Taxi genommen, UCA (Busbahnhof) erreicht. Dort ausreichend auf meine zwei Rucksäcke aufgepasst – ein Glück, mir wurde nichts geklaut.
Den beschriebenen Shuttle nach León habe ich auch gefunden. Mit mir aber noch 15 Einheimische. Dicht bepackt machten wir uns dann auf den Weg und mir wurde einmal mehr gezeigt, wie fahrlässig zentralamerikanische Autofahrer doch sind (besonders beim Überholen). Die Kosten für den Bus: zwei Dollar.

2016-07-08 10.20.49

Heile angekommen suchte ich mir am Markt ein Taxi, welches mich dann zu meinem Hostel bringen sollte. Da ich hier ja kein Mobilfunk- bzw. Internetvertrag habe, musste ich eine Unterkunft nach Ankunft im Flughafengebäude per WLAN ausfindig machen. Nachdem ich ein freies Taxi gefunden hatte, ging es auch recht zügig zum Hostel. Das Problem an der ganzen Geschichte: das Hostel war ausgebucht! 😀
Da die dort arbeitende Dame meine weiteren Fragen nach einer naheliegenden Alternative allerdings nicht auf englisch beantworten konnte, rief sie ihren Nachbarn zu Hilfe. Und da war sie, die Alternative. Direkt nebenan lag ein weiteres Hostel, in welchem ich dann auch sofort eincheckte und meinen wohlverdienten Mittagsschlaf genoß. 🙂
Ich teilte mir ein Zimmer mit zwei Holländerinnen und fühlte mich direkt pudelwohl.


Am Abend gingen wir gemeinsam Essen, ins beste Restaurant der Stadt. Meine riesige und wahnsinnig leckere Falafel kostete mich mit Getränk gerade mal acht Dollar. Da ich diese jedoch nicht ganz schaffte, ließ ich mir den Rest einpacken und schenkte das Essen einer Frau, die wir am Rückweg zum Hostel am Straßenrand sitzen sahen. In diesen Ländern ist es sehr üblich, sein übriges Essen einem armen Menschen auf der Straße zu schenken. Ich finde dies eine sehr schöne Sache und freue mich immer über die glücklichen Gesichter der Obdachlosen. 🙂

In derselben Straße wo das Hostel war, gab es auch ein öffentliches Krankenhaus. Generell gibt es natürlich kein Sozialsystem in Nicaragua. Die Menschen müssen sich selbst helfen, sind bei einer teuren Privatversicherung oder sie gehen eben ins öffentliche Krankenhaus. Da dies jedoch kostenfrei ist, könnt Ihr Euch ja sicherlich vorstellen, welche Menschen dort ein- und ausgehen. Es war ein fürchterlicher Anblick. Die kranken und verletzten Menschen hocken vor der Eingangstür, da das Krankenhaus überfüllt ist. Die Fenster des Hochhauses sind beschlagen.
Die Ventilatoren pusten eine widerliche Luft ins Freie, das kann man sich nicht vorstellen. Ich glaube kaum, dass man in diesen Räumen von Genesung sprechen kann. Ein Local erzählte mir, dass es dort keine Privatsphäre gibt. Dort liegt Stich- an Schussverletzung und die alte Oma mit der Lungenentzündung quält sich neben dem kleinen Jungen, der sich beim Spielen den Arm gebrochen hat. Natürlich ist es schön, dass es hier überhaupt so ein Krankenhaus gibt. Für mich als Deutscher bleibt jedoch nur ein großer Schock über diese unmenschlichen Verhältnisse.

Auf meine Frage, welche Sehenswürdigkeiten León denn so zu bieten hat, wurde mir recht schnell klar, dass ich hier nur wegen einer Sache hergekommen war: Volcano Boarding.
Was zu Anfang völlig verrückt klingt, funktioniert tatsächlich und bereitet zudem noch eine Menge Spaß. Direkt für den nächsten Tag verabredete ich mich mit ein paar Anderen aus dem Hostel zum Volcano Boarding. Ein Guide holte uns um 8 Uhr am Hostel ab und brachte uns zum „Cerro Negro“. Dieser ist einer der aktivsten Vulkane in Zentralamerika.
Beladen mit Sack und Pack ging es dann die circa 700 Meter per Fuß nach oben. Dort angekommen zeigte sich erneut, welche Kraft die Natur doch hat. Nicht nur, weil wir durch den starken Wind fast weggeblasen wurden. Sondern vielmehr, da der Boden on Top extrem heiß war und sogar noch qualmte. Dann war es aber so weit. Schutzbrille auf, Overall angezogen und ab ging die wilde Luzie.
Ich sag es euch Leute, Volcano Boarding in León, Nicaragua! Ein Muss für jeden Weltenbummler. Wenn man meinem Guide Glauben schenken darf, ist diese Attraktion weltweit einzigartig und ich bin der Meinung, dass sich die 30 Dollar definitiv gelohnt haben! 🙂
Erneut mit Vulkansand in jeder Ritze ging es dann mit dem Geländewagen wieder zurück nach León, wo wir dann noch geschlossen als Gruppe in einem Restaurant gut und vorallem günstig zu Mittag aßen.


Für den Nachmittag verabredete ich mich mit Gabe, einem Amerikaner aus Seattle, welchen ich auf der Volcano-Tour kennengelernt hatte. Wir besichtigten die Kathedrale von León und bewunderten die strahlende Weiße des Daches. 🙂
Da ich nun schon knappe vier Monate mit dem Rucksack durch die Gegend lief, war es anschließend Zeit für eine Massage. Die 30 Minuten haben sich leider absolut nicht gelohnt. Somit habe ich 14 Dollar aus dem Fenster geschmissen, juhu.


Abends gingen wir zusammen feiern. Gabe und ich trafen zwei nette Schweizer aus Basel, welche wir auf der Kathedrale kennengelernt hatten. Wir machten das Nachtleben in León bis in den frühen Morgen unsicher. 🙂

Am nächsten Tag trafen wir uns erneut, um das Finale der EM in einer Bar zu schauen. Danach fuhren wir vier Jungs noch spontan zum Strand nach „Las Penitas“ und spielten ein wenig mit den Wellen. Ehrlich gesagt spielten die Wellen mit uns. Ich habe noch nie so krasse Wellen gesehen. 😀
Dieser Nachmittag hat mir echt viel Respekt für meine weiteren Aufenthalte an der Küste verschafft!

Für den nächsten Morgen verabredeten wir uns zum Frühstück. Schon um 9 Uhr holte mich ein Bus am Hostel ab, welcher mich nach Granada brachte.

Im Endeffekt hat es León nicht geschafft, mich zu überzeugen. Die vielen farbenfrohen Straßen werden durch die Berge an Müll vollkommen in den Schatten versetzt. Auffällig waren außerdem die vielen Löcher in der Straße. Man musste buchstäblich aufpassen, wo man hintrat. Besonders bleiben mir die Straßenkinder in Erinnerung. Größtenteils waren es Jungen, die völlig verwahrlost durch die Straßen liefen. Wenn man sich einmal mit diesen Kindern unterhalten würde, ich vermute die Hintergründe wären zu tiefst schockierend.
Was ich bisher nur aus einer Dokumentation über den größten Slum der Welt in Nairobi kannte, wurde auf einmal bittere Realität. So liefen wirklich ALLE dieser Kinder mit einer PET-Flasche unter dem T-Shirt durch die Gegend.
Der Inhalt: Ein Klebstoff. Die Kinder versetzen sich durch das permanente Schnüffeln in einen Rauschzustand, welcher die Bedürfnisse nach Essen, Trinken und Schlaf befriedigt.
Als ich an einem Tag mit meiner Kamera an einem historisch wichtigen Platz ein paar Fotos machte, kam ein Junge auf mich zu. Dieser sprach mich auf die Revolution in Nicaragua an und fragte mich, ob ich etwas über eben diese erfahren wollte.
Gerne nahm ich das Angebot an. Ja, er sprach Spanisch und nein, ich habe nicht alles verstanden! 😀
Ich lief mit ihm für ein paar Minuten durch León. Am Ende gab ich ihm meine angebrochene Wasserflasche und einen knappen Dollar.
Seine dankbaren Augen werde ich nie vergessen!

Die Fahrt nach Granada führte über die Hauptstadt Managua und dauerte circa vier Stunden. Managua ist nun wirklich kein Ort für Touristen. Es ist chaotisch, laut und sehr dreckig. Außerdem gilt dieser Ort als Hotspot für Gewalt und Kriminalität in Nicaragua. Ich war sehr froh, gegen Mittag sicher in meiner neuen Unterkunft angekommen zu sein.

Für die zwei Nächte in Granada (circa 120.000 Einwohner) gönnte ich mir ein Einzelzimmer in einem Hotel in der Stadtmitte. Für den Nachmittag verabredete ich mich erneut mit Gabe, um die Stadt gemeinsam unsicher zu machen.
Granada hat viele alte, teilweise echt toll restaurierte Gebäude. Wie bei allen lateinamerikanischen Städten gibt es einen Park mit Kathedrale im Zentrum der Stadt, in dem sich das tägliche Leben abspielt.

Da wir neugierig waren, schauten wir uns auch einmal die Straßen rechts und links an. Diese für Nicaragua wohl typischen Anblicke waren alles andere als Jubel, Trubel und Heiterkeit.
Aber so ist das nun mal in der dritten Welt!


Abends gesellte ich mich zu Gabe ins Hostel und er kochte für uns. Den Abend darauf war ich an der Reihe, so war der Deal. 🙂

Den nächsten Tag schwitze ich vor mich hin. Die unglaubliche Feuchtigkeit bei 34 Grad Lufttemperatur erkannte man an meinem rötlichen Gesicht. Für den Nachmittag hatten wir eine Tour zum „Lago Nicaragua“ gebucht, um uns die „Isletas de Granada“ anzuschauen. Der Guide war nett, das Wetter war okay und trotzdem hat es sich für mich nicht gelohnt. Es war unspektakulär und die keiffenden Affen auf den Bäumen konnten mich ebenfalls nicht überzeugen.

Abends kochte ich was das Zeug hält und begeisterte nicht nur Gabe, sondern auch mich selber. 😀

Meinen letzten Tag in Granada nutzte ich zum Entspannen und Schreiben meines Reiseblogs. Außerdem ging es am Nachmittag mit Gabe und ein paar anderen Backpackern zum Masaya Vulkan. Dies bedeutete: Das erste Mal feuerrote Lava aus der Nähe sehen! Es war echt beeindruckend! 🙂
Im Endeffekt hat es sich gelohnt, auch wenn man für relativ viel Geld nur 10 Minuten on Top verbringen darf. Zu groß ist die aktuelle Nachfrage der Touristen aufgrund der neulichen Aktivität.

2016-07-13 19.10.08

Im nächsten Kapitel werde ich über meinen Aufenthalt auf der Isla de Ometepe und in San Juan Del Sur berichten. Da die Hostels leider alles andere als eine konstante und vor allem vernünftige WLAN-Verbindung anbieten, verzögern sich die Einträge jeweils um ein paar Wochen.

Ich hoffe Ihr genießt den bisher noch nicht ganz so idealen Sommer in Deutschland – macht das Beste daraus! 🙂

Liebe Grüße aus Zentralamerika!

Euer Robin

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